Stanavforlant (STAnding NAVal FORce atLANTic) Teil
Nach unserem Auslaufen aus Norfolk und unserer endgültigen Aufgabe, die Teilnahme an der Stanavforlant hieß unser nächstes Ziel die Teilnahme an dem Manöver Linked Seas vor der portugiesischen Küste. Doch bis dahin mussten wir erst den Atlantik überqueren. Dies klappte auch ohne Probleme und so fand das Manöver mit unserem Verband wie geplant statt. Anschließend verabschiedeten wir die "Alvares Cabral" aus Portugal und die "Trondheim" aus Norwegen standesgemäß. Der nächste Hafen hieß Lissabon.
Lissabon, 20.05.1993 - 01.06.1993
Gegen Mittag des 20.05.1993 liefen wir in Lissabon ein. Gerüchten zufolge sollte unser Ziel nicht mehr der Norden Europas sein, sondern die Adria zur Unterstützung der Standavformed ( NAVal FORce MEDiteranien sea, oder kurz ständiger Nato-Einsatzverband Mittelmeer). Aus diesem Grund sollte unser Aufendhalt in Lissabon auch mit 11 Tagen besonders lang sein. Aber zuerst hieß es, Proviantaufnahme. Mehrere Sattelschlepper mit Proviant und Ausrüstung mussten ausgeladen und verstaut werden. Feierabend war für die meisten an Bord erst gegen 22:30 Uhr. Als Belohnung versorgte uns die Kombüse mit leckeren Kartoffelpuffer, eine Wohltat nach der Schufterei. Ab dem nächsten Tag konnten wir denn diese wunderbare Stadt am Tejo ausgiebig erkunden. Einer unserer Ersten Ziele war die riesige Jesusstatue am gegenüberliegenden Ufer. Wer glaubt, die Jesusstatue in Rio wäre die echte, nein, genauso wie die echte Freiheitsstatue in Paris steht, steht die echte Statue in Lissabon. Allerdings ist die große Brücke über dem Tejo nicht der Vorläufer der Golden Gate Bridge in San Franzisco, sondern später entstanden. Zu der Zeit war Lissabon ein El Dorado für Straßenbahn-Fans. Nirgends im Westen führen so viele Oldtimer wie in Lissabon zu dieser Zeit. Die Stadt war und ist es immer noch, wunderschön. Ich hoffe, auf dem Bildern bekommt Ihr einen kleinen Einblick in diese Metropole. Leider verließen wir die Stadt am 01.06.1993 Richtung Toulon in Südfrankreich, immer noch ohne Wissen, wohin es überhaupt gehen soll.
Toulon, 05.06.1993 - 08.06.1993
In Toulon begann die dortige Werft sofort, uns schon mal neue Waffen an Bord anzubringen. Innerhalb von 3 Tagen bekamen wir unsere neuen 20 mm Flaggeschütze. Während die Waffentechniker mit Ihrem neuen "Spielzeug" beschäftigt waren, genoss der Rest der Besatzung die Naturschönheiten der Côde d´Azur. Sowohl die Stadt, als auch die Landschaft und natürlich auch die 2-beinigen Schönheiten. Zu feiern gab es ebenfalls genug, der SV Werder Bremen gewann am 05.06.1993 zum dritten Mal die Meisterschaft. Ein Grund, friedlich durch die Stadt zu ziehen und unseren französischen Freunden von diesem Ereignis zu berichten. Ansonsten genossen wir einfach das phantastische Klima Südfrankreichs und tauschten wie alle 3 Monate Teile unserer Besatzung aus. Noch immer fragten wir uns, wo geht es hin?
Palma de Mallorca, 09.06.1993 - 11.06.1993
Doch bevor es nach Palma ging, testeten wir unsere neuen Flaggeschütze. Nun konnte Palma de Mallorca kommen und damit neben deutschem Essen auch endlich mal wieder deutsche Landsleute, deutsches Bier ( kein Becks, das gibt es an Bord), deutsche Sprache und natürlich deutsche Zeitungen. Leider verlor ich meine Fotokamera, so das ich für den Rest der Reise mit meiner Videokamera vorlieb nehmen musste und ich Euch nur Bilder von Ein- und Auslaufen zeigen kann. Wenigstens erfuhren wir das Ziel unserer Reise, die Adria. Verstärkung der Mittelmeerflotte im Auftrag der UN zur Embargo- Überwachung gegen Jugoslawien. Nach 2 kurzen Tagen im größten Hafen der beliebtesten Urlaubsinsel der Deutschen ging es los Richtung Italien, genauer gesagt, Richtung Stiefelspitze Italiens.
Tarent, 15.06.1993 - 19.06.1993
Am 15.06. liefen wir die süditalienische Stadt Tarent an. Neben uns lag ebenfalls der deutsche Lenk- waffenzerstörer, die "FGS Rommel" im Hafen. Hier konnten wir uns noch einmal mit echtem italienischen Eis und la dolce Vita stärken, bevor es zur unbekannten Aufgabe in der Adria ging. Tarent, die Provinzstadt der Region Apulien ist mit Ihren etwa 250.000 Einwohnern nur etwa doppelt so groß wie unser Heimathafen Wilhelmshaven. Dementsprechend war auch das Angebot der Stadt. Aber für unseren ersten Aufendhalt in diesem Staat freuten wir uns, ohne zu wissen, das die nächsten Wochen die langweiligsten in unserem bisherigen Leben werden sollen und die Häfen Italiens die einzigsten sind, die wir besuchen werden. So ging es am 19.06. Richtung Adria und ich schließe diesen Bericht, um mit dem dritten Teil, dem Einsatz im Auftrage der UNO, fortzusetzen.